Antonia, ... wie wir auf den Hund gekommen sind.

Schon lange hegten wir den Wunsch einen Hund in unserer Familie aufzunehmen. Nachdem wir wochenlang mit anderen Hundehaltern gesprochen hatten, stand im Grunde genommen schon fest, dass wir uns bei einem Züchter nach einem mittelgroßen Hund umsehen wollten. Die Rasse der Kromfohrländer gefiel uns da wirklich am besten, aber müssen wir für uns einen Hund "produzieren" lassen?

Erst Kollegen, Freunde und letztlich unsere Nachbarn machten uns erneut auf die Not herrenloser Hunde aufmerksam. Schon viele Jahre besuchen wir die schöne Stadt Tossa de Mar an der Costa Brava in Spanien. Tossa war der erste Ort in Spanien, in dem Stierkämpfe verboten wurden und es auch eine der ersten Tierheime gab. Eigentlich kamen wir nie so recht auf die Idee, eine geschundene Kreatur mit nach Hause zu nehmen. Warum eigentlich?

Bei der Suche nach einem Züchter, resp. Tierheim sind wir dann auf die Seiten des Vereins Canarian Animals in Need e.V. gestoßen. Dieser Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, Tiere aus dem Tierheim SARA in Tahiche auf Lanzerote zu vermitteln. Auf der Website fanden wir dann einen Artikel über zwei Rotti-Mix-Welpen.

Arani und Antonia      Antonia und Odysseus
Fotos: Claudia Rünz, von links: Antonia mit Ihrer Schwester Arani und ihrem Freund Odysseus

Es war Liebe auf den ersten Blick! Kaum zu fassen, dass sich für diese Tiere in Spanien kaum jemand interessiert und diese, wenn die örtlichen Tierschutzvereine nicht eingreifen, dem Tod geweiht sind.

Antonia und ihre Schwester sind Findelkinder, niemand kennt die Elterntiere und auch über die Rasse ist keine eindeutige Aussage zu treffen. Vielleicht ein bisschen Schäferhund und Rottweiler? Dennoch, ihr Anblick hat unseren Entschluss bestärkt, diese Hündin würden wir gerne adoptieren. Im weiteren Verlauf der Website war dann zu lesen:

Zwei quirlige Rotti-Mischlings-Welpen sehr verspielt suchen Familienanschluss.

Die Mädels sind am 15.10.2005 in Spanien geboren, die Eltern sind unbekannt, doch der Rotti in ihnen lässt sich nicht verleugnen. In ihrer neuen Familie sollten sportlichen Menschen sein, die viel mit ihnen arbeiten wollen, Agillity, Joggen, oder den Besuch einer Hundeschule, da sind sie flexibel. Hauptsache sie werden geistig und körperlich gefordert. Die beiden sind verträglich mit Katze und Hund. Kinder im Haushalt sollten standfest sein, da sie manchmal einfach "umwerfend" sind. Bei Interesse kontakten Sie das Pflegefrauchen (Nähe Koblenz): 02637-xxxx (das dunkle Mädel ist bereits vermittelt)

Antonia als Welpe      Antonia als Welpe

Auf was würden wir uns da einlassen? Ganz klar, dies ist eine Herausforderung für uns, da wir bisher nie einen Hund hatten und erst recht keinen erzogen haben. Würde das gut gehen? Bis zum heutigen Zeitpunkt können wir die Frage noch nicht beantworten, aber wir geben uns Mühe, das sich Mensch und Tier verstehen. Das eine oder andere Buch haben wir inzwischen gelesen und es gibt unzählige Vorschläge für die Erziehung eines Welpen. Die Meinungen gehen mitunter sehr stark auseinander und man muss aufpassen, dass man nicht von flotten Werbesprüchen der Industrie eingefangen wird. Wirklich sehr hilfreich sind die Seiten von Kersti Nebelsiek. Die Infos sind nett geschrieben und zeugen von Verständnis zwischen Tier und Mensch.



Wie kam Antonia nach Deutschland?

Bericht der "Flugpaten" Michaela und Holger:

Antonias, Aranias und Pauls Flucht von Lanzarote.
Am 7. Januar war es soweit, unser Rückflug aus Lanzarote stand an. Da ich öfters im Tierheim SARA zu Besuch war, wusste ich von Klaus, dem deutschen Tierheim jefe (jefe = Chef, Boss) schon, dass wir wieder wertvolle Fracht mit bekommen sollten. Wir hatten uns für 7.00 Uhr am Flughafen verabredet. Als wir ins Gebäude rein gingen, fuhr auch gerade Klaus mit dem SARA Transporter vorbei. Naja, mein Mann und ich also zum Schalter zum einchecken gegangen. Da wir über Air Berlin gebucht hatten, standen wir auch brav an deren Schalter an. Wir wunderten uns nur, wo denn Klaus bleibt. Merkwürdig, hat doch sonst immer einwandfrei alles geklappt. Nach einer viertel Stunde sagte ich zu meinem Mann, ich schau mal wo Klaus ist. Gott sei Dank ist das Flughafengebäude auf Lanzarote klein und überschaubar. Klaus habe ich somit schnell gefunden, er war am Hapag Schalter und wunderte sich genauso, wo wir denn wären. Tja, leider hatte uns keiner mitgeteilt, dass wir am Hapag Schalter einchecken mussten, wir sind nämlich mit deren Maschine zurück geflogen. Na, ist ja alles noch mal gut gegangen.

Klaus ist dann zum Auto und hat erstmal Paul geholt. Er hat dann die Box mit dem schlafenden Hund zusammen mit uns eingecheckt. Danach mussten wir noch gemeinsam durch den Zoll. Hier wird es für die Tiere immer etwas kritisch, da die Box durchleuchtet wird und die Tiere noch mal raus müssen. Der arme Paul, er hatte ja bereits sein Beruhigungsmittel für den Flug bekommen und fand es gar nicht schön, aus der Box geholt zu werden (wird alles von Klaus erledigt, wir haben nur daneben stehen müssen). Nachdem Paul wieder in der Box war, kam das Kontrollband vom Zoll um die Box und ab ging es auf das Gepäckband. Paul entschwand Richtung Flieger.

Anschließend hat uns Klaus dann die 2 Rotti Welpen in einer Transporttasche und die EU Heimtierausweise für alle 3 Hunde gegeben. Mein Mann und ich sind dann, jeder mit einer Transporttasche, zur Sicherheitskontrolle gegangen. Hier müssen die Hunde auch wieder aus der Tasche und auf dem Arm durch die Schleuse getragen werden. Ich also mit der kleinen Arania durch gelaufen, mein Mann sollte eigentlich gleich folgen. Eigentlich ... (;-)))) Ich packe die Kleine wieder in meine Tasche und warte auf Menne. Der steht, wie zur Salzsäule erstarrt vor der Schleuse und winkt alle anderen Passagiere durch. Ich frage ihn warum er denn nicht durch die Schleuse geht? Sagt mein Mann, ich kann das nicht, ich kann den Hund nicht aus der Tasche nehmen, was ist, wenn er wegläuft? Ich dachte nur, oh Himmel! Die spanische Beamtin schaute immer grimmiger drein und wurde leicht unfreundlich. Sie sagte mir, ich dürfe nicht mehr zurück gehen. Na Klasse! Ich bin dann einfach ganz frech schnell wieder raus, habe mir den Welpen (Antonia) geschnappt und bin noch mal durch die Sicherheitskontrolle. Die Spanierin hat zwar geschimpft, war mir aber ziemlich egal.

Jetzt endlich konnten wir zum Flieger gehen. Gott sei Dank war auch mein Mann wieder der Alte ... Im Flieger haben wir natürlich für Neugierde gesorgt, viele haben gefragt was wir da denn transportieren. Eine Flugbegleiterin kam sogar später zu uns um die beiden Süßen anzuschauen. Kurz vor der Landung wurden die 2 immer wacher, wir haben ihnen dann in der Tasche etwas zu trinken gegeben. Nach 4 Stunden Flug sind wir gelandet. Jetzt aber schnell zur Gepäckausgabe. Schließlich wollten wir den armen Paul, der ja im Frachtraum war, so schnell wie möglich abholen. Ich also vor an das Sperrgepäck Band, die Tiere kommen immer als erstes raus. Da stand ich nun und wartete, und wartete und wartete ... Irgendwann wurde es mir zu dumm und ich habe einen Mitarbeiter vom Flughafen angesprochen. Der versprach sich zu kümmern und wollte mir auch helfen, die große Box auf den Wagen zu stellen. Endlich kam Paul, der Mitarbeiter hat mir erzählt, bei der Abfertigung wäre Schichtwechsel gewesen und deshalb hätte es so lange gedauert. Mittlerweile hatte mein Mann schon unsere Koffer geholt, zusammen sind wir dann ohne Probleme durch den Zoll. Draußen standen schon Claudia, von CAIN und Barbara, die auf Paul und die beiden Welpen sehnsüchtig gewartet hatten. Wir haben die Papiere überreicht und erst mal die Wautzels ausgepackt. Und hier nochmal die Fotos, die Claudia Rünz am Flughafen gemacht hat, einige kennen sie ja schon.

von links: Barbara, Michaela und Holger      Barbara mit ihrem Flüchtling Lutz - jetzt Paul

Weiterführende Informationen zu Flugpatenschaften finden Sie in diesen schönen Flyern:
Allgemeine Informationen über CAIN e.V.
Informationen zu Flugpatenschaften
oder direkt auf der Website von Canarian Animals In Need e.V.


Weiterhin laden wir Sie ein, im Tagebuch nachzulesen wie die Geschichte weitergeht und Sie anzuspornen vielleicht auch diesen Schritt zu wagen.

Eines ist sicher, Antonia hat sich schon jetzt von einer Mandiga (span. Bettlerin) zur Reina (span. Königin) gemausert. Reina Antonia ist eine Königin der Herzen und verdient unsere Zuneigung. Mittlerweile hat unsere Antonia ein Alter von:

Unser Dank gilt dem Tierschutzverein SARA, den Flugpaten Michaela und Holger Rentsch, C.A.I.N e.V. und ganz besonders der ehemaligen 2. Vorsitzenden des Vereins, Frau Claudia Rünz für ihre unermüdliche Arbeit und die Mühe, Antonia in den letzten Wochen vor unserer Adoption zu versorgen und auch schon zu erziehen.

Nachtrag vom 4. April 2006:
Heute haben wir das erste Mal unseren Tierarzt aufgesucht und gleich eine Überraschung erlebt. Der spanische Heimtierpass weißt unsere Antonia als "Mestizo Pastor", also Schäferhund-Mischling aus. Ebenso erkennt der Tierarzt keine Anteile eines Rottis (Rottweiler). Nicht das uns dies gestört hätte, aber so ist das Reisen deutlich einfacher geworden. Prima!

Nebenbei beglückwünscht er uns zu unserem putzmunteren Wauwau. (;-))

Nachtrag vom 19. September 2007
Eben erwähnter Verein ist mittlerweile auch "unser Verein" geworden. Wir würden uns freuen, wenn Sie nachfolgende Seiten besuchen! Vielen Dank!